Fragen an die Befürworter einer Finanztransaktionssteuer

Noch im Sommer dieses Jahres schien die Idee der Finanztransaktionssteuer („FTS“) endgültig beerdigt zu werden. Doch inzwischen steht sie wieder auf der Tagesordnung. Untote scheint es in der Politik immer öfter zu geben. Die Befürworter sehen darin ein Mittel gegen Finanzspekulation und zur Stabilisierung der Finanzmärkte. Obendrein könnten die eingenommenen Mittel zur „gerechteren Gestaltung der Globalisierung“ eingesetzt werden.

Hier einige Fragen an die Unterstützer einer solchen Steuer:

  • Die grössten Blasen an den Finanzmärkten haben sich immer über viele Jahre aufgebaut – siehe z.B. Crashs von 1929, 2000 oder 2008. Kann eine Steuer, die sich explizit gegen „kurzfristig handelnde Spekulanten“ richtet solche Blasen aufhalten und wie genau soll das funktionieren?
  • Die FTS entzieht den Märkten Liquidität. Gerade aber in Situationen grössten Stresses („wenn es an den Börsen schlagartig abwärts geht“), ist Liquidität dringend notwendig, um die Tiefe des Sturzes abzumildern. Wie kann eine FTS in einer akuten Krise nicht noch zur weiteren Verschlimmerung der Lage beitragen?
  • Die Advokaten einer FTS sehen darin ein Mittel gegen „kurzfristige Spekulation“, welche im Gegensatz zu langfristigem Investieren stehe. Wie erklären sich dann die Befürworter der FTS, dass es gerade im Immobilienmarkt immer wieder und genauso zu spekulativen Blasen kommt, obwohl dort keinesfalls Häuser im Sekundentakt gekauft und verkauft werden können? (Effektiv sind die hohen Gebühren beim Kauf/Verkauf von Immobilien für Notare und Makler sogar eine Art FTS)
  • Die Befürworter der FTS sehen insbesondere Sekundenhandel und andere schnelle, komplexe Tradingverfahren als Schuldige an spekulativen Blasen. Wie soll aber die Preisbildung an Märkten  funktionieren, wenn man die Liquidität dieser Händler einschränkt oder gar völlig unterbindet? Wer kauft Wertpapiere von oder verkauft an „langfristig orientierte Investoren“?
  • Wie soll Preisbildung an Märkten besser funktionieren, wenn man die Zahl und Handlungsfreiheit der Marktteilnehmer einschränkt?
  • Die Preisbildung an Märkten widerspiegelt Informationen, die den Marktteilnehmern vorliegen. Herrschen z.B. gute klimatische Bedingungen für den Kaffeeanbau in einem Jahr, dann sinken die Marktpreise, da eine gute Ernte erwartet wird, damit mehr Angebot an Kaffee, welches das Preisniveau absenkt. Manchmal liegen den Marktteilnehmern Fehlinformationen vor oder die Informationslage ändert sich plötzlich, z.B. können sich die klimatischen Bedingungen für eine gute Kaffeeernte plötzlich verschlechtern. Dann kommt es zu Schwankungen der Marktpreise. Wie soll nun eine FTS diese Schwankungen „glätten“, da ja weder die Informationen besser werden oder schneller vorliegen?
  • In der Schweiz und in UK gibt es seit langem eine Börsenumsatzsteuer, die bspw. in der Schweiz 0.15% pro Kauf/Verkauf beträgt. Beide Länder wurden in der Vergangenheit durch Börsenblasen genauso getroffen wie Länder ohne FTS.  Wie erklären sich die Befürworter der FTS diesen Fakt?
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