Update: Quantitative Fonds und warum sie eingebrochen sind

Gestern gab Goldman Sachs bekannt, dass nicht nur ihr Flagschiff-Fund „Global Alpha“ mit einem diesjährig aufgelaufenen Verlust von 27% glänzt, sondern auch der „Global Equity Opprtunities“ einen Verlust von über 30% zu verzeichnen hat. In Schwierigkeiten ist wohl auch der Fonds „North American Equity Opportunities“. Goldman Sachs erklärte, dass sie (und andere Investoren) einen Betrag von 3 Mrd. USD in den Global-Equity-Fonds einschießen würden. Allerdings sei dies natürlich nicht als Rettungsaktion zu verstehen, sondern es würde nur die Chance einer guten Einstiegsmöglichkeit in ihren eigenen Fonds wahrgenommen [ja, da werden sich die Altinvestoren aber freuen, wenn die Bänker von Goldman erst in ihren eigenen Fonds einsteigen, nachdem die bisherigen Anleger 30% ihres Geldes verloren haben. DAS nennt man ein echtes Value-Investment!].

Doch was istwirklich passiert?

Zum ersten: fast alle Quant-Funds sind stark geleveraged, sie nehmen also Kredite auf, um ihre Anlagen zu tätigen. Fallen die Werte der Anlagen, kommt es zum sogenannten Margin-Call (die Banken rufen Kredite zurück) und es müssen Positionen zwangsweise aufgelöst werden, um die Kredite weiter mit Barem decken zu können.

Zum zweiten: Die meisten quantitativen Hedge-Funds verfolgen ähnliche Strategien, deren Kern die „Momentum-Strategie“ ist. Man setzt also auf Werte, die ein „Momentum“ oder einen Trend nach oben (long) oder nach unten (short) haben. Problematisch wird das immer dann, wenn viel Fonds-Manager ähnliche Aktien long bzw. short halten und bei einer Trendumkehr schnell eine Herdenflucht ausgelöst wird.

Zum dritten (und dies folgt aus 1+2): Wenn viele Fonds viele Mittel (inkl. Kredite) auf ähnliche Werte setzen, kann der Markt hohe Volumina nicht mehr verarbeiten. Es kommt zu extremen Preisausschlägen. Weitere interessante Erläuterungen zu dem Vorgehen von Hedge-Funds finden sich im lesenwerten Blog von Rick Bookstaber,  einem Ex-Hedge-Fund-Manager.

Die großen aufgelaufenen Verluste bei verschiedenen Quant-Funds erklären sich aber auch aus einem fundamentalen Problem der computergeführten Entscheidungsfindung.  Die Programme der Hedge-Funds arbeiten mit Wahrscheinlichkeitsmodellen, die auf der Normalverteilung beruhen. D.h. sie funktionieren gut, solange es keine Extremereignisse gibt. Nun läuft der Aktienmarkt aber nicht normalverteilt. Extremereignisse oder statistische Ausreisser sind wesentlich häufiger als erwartet. Diese Ausreisser können dabei die unterschiedlichsten Formen annehmen. So ist z.B. das fast kontinuierliche Ansteigen des Dax seit 2003 (mit nur wenigen, kurzen Korrekturen) statistisch betrachtet sehr unwahrscheinlich. Genauso unwahrscheinlich wie die Tech-Bubble im Jahre 2000 oder der Crash 1987. Sie passierten aber trotzdem. Die Programme sind nicht in der Lage, diese Ereignisse einzuordnen und es kommt zu schnellen Verkäufen und Auflösung von Positionen.

Würden die Fondsmanager die Märkte langfristig betrachten, wäre es ihnen natürlich klar, dass eine Gegenbewegung früher oder später einsetzt. Diese Zeit hat der an den Quartalsergebnissen oder gar an den monatlichen Performanceausweisen gemessene Hedge-Fund-Manager aber nicht. So setzen Risikobegrenzungsstrategien ein, die Verluste sofort realisieren und darauf setzen, dass die Märkte bald in den angeblichen Normalzustand zurückkehren, damit das alte Spiel wieder gespielt werden kann. Bis zum nächsten „unvorhersehbaren“ Ereignis natürlich…

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