Wann Aktien verkaufen? (Begriffe des Value-Investing, Teil 4)

„Meine bevorzugte Haltedauer ist für immer“ (Warren Buffett)

In den vorhergehenden Beiträgen zu den Grundbegriffen des Value-Investing hatten wir uns mit der Frage beschäftigt, wann ein Unternehmen es wert ist zu investieren. Hier spielt insbesondere die Frage des inneren Wertes im Verhältnis zum Marktwert eine große Rolle.

Viele Investoren haben jedoch weniger mit dem Kaufen als mit dem Verkaufen eines Wertes Probleme. Ab wann soll man Gewinne „mitnehmen“? Was tun, wenn eine Aktie immer weiter unter den Einstiegspreis sinkt? Was ist vom Instrument „Stop Loss“ zu halten?

Grundsätzlich kann man zum Thema Verkaufszeitpunkt bei Valueanlegern zwei verschiedene Strategien beobachten. Die eine will ich die „Buffett-ewige-Liebe-Strategie“ nennen und die andere die „Verkaufe-wenn-Mr.Market-Dir-einen-guten-Preis-bietet-Strategie“. Beide Strategien sind sich jedoch in einem einig: Dass ein klarer Verkaufsgrund dann vorliegt, wenn das gekaufte Unternehmen seine Strategie langfristig zum Schlechteren verändert (bspw. durch unsinnige Akquisitionen) oder wenn der unwiderbringliche Verlust von Wettbewerbsvorteilen eintritt (z.B. durch regulatorische Veränderungen).

Buffetts-ewige-Liebe-Strategie: Ein gutes Unternehmen mit einem vertrauenswürdigen Management sollte man überhaupt nicht verkaufen. So hält Berkshire Hathaway seit vielen Jahrzehnten die Aktien von Coca-Cola oder American Express. Selbst in Fällen mittelmäßiger Unternehmen ist Warren Buffett sehr zurückhaltend, diese aus dem Portfolio von Berkshire zu entfernen. Die wesentliche Begründung liegt darin, dass ein gutes Unternehmen, mit einem vertrauenswürdigen, Shareholder-orientierten Management und einem klaren Wettbewerbsvorteil nur sehr selten gefunden werden kann. Warum sollte sich der Anleger jemals davon trennen wollen?

Alternativ dazu gibt es aber viele Valueanleger, die eine etwas (nur etwas!) kurzfristiger orientierte Strategie fahren: Die „Verkaufe-wenn-Mr.Market-einen-guten-Preis-bietet-Strategie“: Ein Vertreter davon ist der hier schon öfter zitierte Mohnish Pabrai. Die Idee ist einfach: Kaufe ein Unternehmen für 50 Cent, obwohl es tatsächlich 1 € wert ist. Sobald der Markt diese Differenz erkannt hat und nun tasächlich bereit ist den vollen inneren Wert eines Unternehmens zu bezahlen (in diesem Falle 1 €), ist der Verkaufszeitpunkt gekommen. Das kann oftmals einige Jahre dauern. Früher oder später wird dieser Zustand jedoch eintreten. Bei dieser Art von Strategie stehen Erwägungen bezüglich der Strategie oder des Managements eines Unternehmens weniger im Vordergrund (obwohl sie sicher auch eine gewisse Rolle spielen). Es geht stärker um das Ausnutzen von Marktineffizienzen.

Es ist mit Sicherheit psychologisch schwerer der Strategie Buffetts zu folgen, da man im Laufe der Zeit und insbesondere in schwierigen Marktphasen das Vertrauen in ein Unternehmen verlieren kann. Auch kann es auch beim besten Management zu Fehlentscheidungen kommen, die vielleicht nur kurzfristiger Art sind, aber die Vertrauensbasis der Anleger erodieren . Hat man jedoch tatsächlich eine Handvoll solcher Unternehmen identifiziert, kann der Anleger langfristig überdurchschnittliche Resultate erzielen (und muß nicht einmal viel tun, ausser gewisse Überwachungsfunktionen wahrzunehmen).

Die Frage nach Techniken wie „Stop-Loss“ (Festlegen einer maximalen Verlustgrenze bei der ein Wert verkauft werden soll, z.B. 10% unter dem Einstiegskurs, um Verluste zu begrenzen) stellt sich für den Valueanleger kaum, da ja der innere Wert eines Unternehmens von den Fluktuationen seines Marktwertes nicht betroffen ist. Ausnahmen sind nur dann gegeben, wenn starke Kursverluste signalisieren, dass der Valueanleger sich in seiner Analyse getäuscht hat und der innere Wert tatsächlich weit niediger als angenommen liegt, der Aktienkurs somit eine Anpassungsbewegung vornimmt. Dann ist aber weniger die Zeit gekommen einen „Stop-Loss“ zu setzen, sondern die eigene Analyse kritisch zu hinterfragen und ggf. zu revidieren.

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