Burggraben (Begriffe des Value-Investing, Teil 3)

Der „Moat“, auf deutsch „Burggraben“, ist für Warren Buffett ein wichtiges Kennzeichen attraktiver Unternehmen. Nachdem wir bisher festgestellt haben, dass der Valueanleger nachUnternehmen sucht, deren innerer Wert über ihrem Marktwert liegt und bei dieser Differenz einen Sicherheitsabstand einhält, ist der Burggraben ein weiteres wichtiges Kennzeichen. Dieser Begriff bezeichnet ein Unternehmen, welches einen verteidigbaren, dauerhaften Wettbewerbsvorteil gegenüber den Konkurrenten hat und dadurch auf Dauer überdurchschnittlich profitabel arbeiten kann. Denn nur ein Unternehmen, das sich die Konkurrenten weitgehend vom Hals hält, kann dauerhaft eine überdurchschnittliche Rendite auf das eingesetzte Kapital erreichen. Der Investor wird dabei nach folgenden typischen Vorteilen suchen:

  • Wettbewerbsvorteil Staat: Dazu gehören Unternehmen, die ein natürliches oder gesetzliches Monopol/Oligopol besitzen – etwa lange Zeit die Mobilfunkbetreiber, welche sich die wenigen verfügbaren Funkfrequenzen teilten und erhebliche Preissetzungsmacht gegenüber dem Kunden hatten (man denke nur an die leidigen Roaming-Gebühren). Doch diese Art Wettbewerbsvorteil ist wohl allmählich mit der Liberalisierung von Märkten zum Aussterben verurteilt.
  • Wettbewerbsvorteil Marke/Franchise: Unternehmen, die über Marken, Patente o.ä. verfügen, welche sie über lange Zeiträume vom Wettbewerb absetzen und die zu hoher Kundeloyalität führen. Ein gutes Beispiel ist Coca-Cola, das sich seit vielen Jahrzehnten von Pepsi absetzen kann. (Pepsi hat zwar umsatzmäßig Coke überholt – aber noch längst nicht nicht vom Gewinn, was die Preismacht von Coke zeigt).
  • Wettbewerbsvorteil gefangener Kunde: Unternehmen, die es den Kunden sehr schwer machen, zum Wettbwerber zu wechseln, da dies für den Kunden mit hohen Kosten oder Unannehmlickeiten verbunden wäre. Man mag ja über Microsoft denken, was man will, aber kaum ein Nutzer von Windows bzw. Office-Produkten denkt ernsthaft über einen Wechsel zu Apple nach.
  • Wettbewerbsvorteil Skaleneffekt: Ein häufig zitierter, doch meist überschätzter Vorteil. Denn diese Firmen müssen nicht einfach größer als andere sein, sondern sie müssen tatsächlich den größten Marktanteil in einem relevanten Markt besitzen. Ein gutes Beispiel ist Walmart USA. Erst durch die Übermacht in vielen regionalen, aber benachbarten Märkten konnten Skaleneffekt z.B. in der Logistik oder bei Lieferanten realisiert werden und die Konkurrenz mittels niedrigerer Preise aus dem Feld geschlagen werden.

Es bleibt nur eines zu bedenken: Kein noch so starker Vorteil schützt ewig. Man schaue sich nur die führenden Unternehmen von vor 20 Jahren an. Wieviele davon finden sich noch heute ganz oben wieder?

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