Fragen an die Befürworter einer Finanztransaktionssteuer

Verfasst November 29, 2016 von Steffen
Kategorien: Value Investing

Noch im Sommer dieses Jahres schien die Idee der Finanztransaktionssteuer („FTS“) endgültig beerdigt zu werden. Doch inzwischen steht sie wieder auf der Tagesordnung. Untote scheint es in der Politik immer öfter zu geben. Die Befürworter sehen darin ein Mittel gegen Finanzspekulation und zur Stabilisierung der Finanzmärkte. Obendrein könnten die eingenommenen Mittel zur „gerechteren Gestaltung der Globalisierung“ eingesetzt werden.

Hier einige Fragen an die Unterstützer einer solchen Steuer:

  • Die grössten Blasen an den Finanzmärkten haben sich immer über viele Jahre aufgebaut – siehe z.B. Crashs von 1929, 2000 oder 2008. Kann eine Steuer, die sich explizit gegen „kurzfristig handelnde Spekulanten“ richtet solche Blasen aufhalten und wie genau soll das funktionieren?
  • Die FTS entzieht den Märkten Liquidität. Gerade aber in Situationen grössten Stresses („wenn es an den Börsen schlagartig abwärts geht“), ist Liquidität dringend notwendig, um die Tiefe des Sturzes abzumildern. Wie kann eine FTS in einer akuten Krise nicht noch zur weiteren Verschlimmerung der Lage beitragen?
  • Die Advokaten einer FTS sehen darin ein Mittel gegen „kurzfristige Spekulation“, welche im Gegensatz zu langfristigem Investieren stehe. Wie erklären sich dann die Befürworter der FTS, dass es gerade im Immobilienmarkt immer wieder und genauso zu spekulativen Blasen kommt, obwohl dort keinesfalls Häuser im Sekundentakt gekauft und verkauft werden können? (Effektiv sind die hohen Gebühren beim Kauf/Verkauf von Immobilien für Notare und Makler sogar eine Art FTS)
  • Die Befürworter der FTS sehen insbesondere Sekundenhandel und andere schnelle, komplexe Tradingverfahren als Schuldige an spekulativen Blasen. Wie soll aber die Preisbildung an Märkten  funktionieren, wenn man die Liquidität dieser Händler einschränkt oder gar völlig unterbindet? Wer kauft Wertpapiere von oder verkauft an „langfristig orientierte Investoren“?
  • Wie soll Preisbildung an Märkten besser funktionieren, wenn man die Zahl und Handlungsfreiheit der Marktteilnehmer einschränkt?
  • Die Preisbildung an Märkten widerspiegelt Informationen, die den Marktteilnehmern vorliegen. Herrschen z.B. gute klimatische Bedingungen für den Kaffeeanbau in einem Jahr, dann sinken die Marktpreise, da eine gute Ernte erwartet wird, damit mehr Angebot an Kaffee, welches das Preisniveau absenkt. Manchmal liegen den Marktteilnehmern Fehlinformationen vor oder die Informationslage ändert sich plötzlich, z.B. können sich die klimatischen Bedingungen für eine gute Kaffeeernte plötzlich verschlechtern. Dann kommt es zu Schwankungen der Marktpreise. Wie soll nun eine FTS diese Schwankungen „glätten“, da ja weder die Informationen besser werden oder schneller vorliegen?
  • In der Schweiz und in UK gibt es seit langem eine Börsenumsatzsteuer, die bspw. in der Schweiz 0.15% pro Kauf/Verkauf beträgt. Beide Länder wurden in der Vergangenheit durch Börsenblasen genauso getroffen wie Länder ohne FTS.  Wie erklären sich die Befürworter der FTS diesen Fakt?

Robo-Adviser schlägt Banken bei Kosten der Vermögensverwaltung

Verfasst November 28, 2016 von Steffen
Kategorien: Gebühren, Vermögensverwaltung

So analysiert die NZZ:

Während beispielsweise der sogenannte Robo-Advisor True Wealth – der bereits bei den Gebühren am besten abschneidet – nur kostengünstige passive Indexprodukte (ETF) einsetzt, verwenden etliche andere Anbieter noch immer teure aktiv verwaltete Fonds.

Der Hinweis im NZZ-Artikel ist entscheidend: Es gilt nicht nur die offiziellen Gebühren für einen Vermögensverwaltungsauftrag anzuschauen, der Kunde muss auch die „versteckten“ Gebühren in den Produkten, die im Portfolio liegen einberechnen. Die Schwankungen können hier enorm sein. Während aktiv gemanagte Fonds of im Bereich von 1,5% liegen, sinken die Gebühren bei ETFs ständig durch den intensiven Wettbewerb. Heute kann man sich ohne Zweifel ein breit diversifiziertes Aktienportfolio mittels ETF zu einem Gebührensatz von unter 0,2% bei den Fonds zusammenstellen.

Was die NZZ allerdings nicht erwähnt: Am günstigsten fährt der Investor mit direkten Investments in Aktien (oder Bonds), da hier – ausser Handelsgebühren – gar keine Kosten auflaufen. Der Nachteil liegt natürlich darin, dass ein Portfolio aus einzelnen Aktien für den privaten Anleger mehr Arbeit macht als ein breit diversifiziertes ETF-Portfolio.

Vermögensverwalter in der Haftung

Verfasst November 27, 2016 von Steffen
Kategorien: Vermögensverwaltung

Die NZZ berichtet, dass Schweizer Gerichte jüngst die Rechtssprechung in der Frage der Haftung von Vermögensverwaltern verschärft haben. Es geht in den zwei zitierten Entscheiden darum, dass die Vermögensverwalter Buchstaben und Sinn der Vereinbarung mit dem Kunden wie und in was investiert werden soll nicht korrekt umgesetzt haben. Die dadurch entstandenen Verluste sollen sie  ersetzen:

„Der Vermögensverwalter habe grundsätzlich nicht für den Erfolg seiner Tätigkeit einzustehen. Haftungsbegründend sei vielmehr eine unsorgfältige oder treuwidrige und den Auftraggeber schädigende Ausführung des Auftrags. In dem vorliegenden Fall hätten sich die Parteien auf eine konservative Vermögensverwaltung geeinigt. Angesichts der Rechenschaftsberichte habe der Kläger ohne weiteres davon ausgehen dürfen, dass der Vermögensverwalter die Anlagen vertragsgemäss tätigen werde, ohne die tatsächlichen Anlagen einer genaueren Prüfung zu unterziehen.“

Es zeichnet sich damit ab, dass die städnige Rechtsprechung in der Schweiz die Vermögensverwalter tendenziell enger in die Haftung nimmt, wenn die Kundenaufträge und die vereinbarte Strategie nicht auftragsgemäss umgesetzt wird. Im Falle eines Vermögensverwaltungsmandats muss sich der Kunde darauf veralssen können, dass sein Verwalter tatsächlich in seinem Sinne handelt, ohne dies dauernd überprüfen zu müssen.

Krise als Chance: Neues von Pabrai und Pzena

Verfasst April 25, 2008 von Steffen
Kategorien: Value Investing

Schon öfter haben wir hier über Mohnish Pabrai, den Gründer von Pabrai Funds, berichtet. Aktuell findet sich ein Interview mit ihm auf Smart Money. In eine ähnliche Richtung geht ein Interview mit Richard Pzena von Pzena Asset Management (20 Mrd. USD unter Verwaltung). Beide sehen momentan große Chance im Markt. Pzena sieht diese Möglichkeiten insbesondere auch im Finanzsektor – obwohl er in den letzten 12 Monaten einen Verlust von 38% zu verbuchen hatte:

„This is a once in a generation opportunity to get franchises like Citigroup at five times their normal earnings power. You just don’t get those opportunities. You only get them when there is panic. And the last time there was panic was 25 years ago.“

UBS-Generalversammlung: Top-10-Highlights

Verfasst April 24, 2008 von Steffen
Kategorien: Sonstiges, Unternehmen

Gestern habe ich mir den Spaß gegönnt, an der ordentlichen Generalversammlung der UBS (als Kleinaktionär) teilzunehmen. Hier meine Top-10-Highlights:

10. Ein tolles elektronisches Abstimmungsgerät. Man fühlt sich fast wie bei Big Brother oder DSDS.

9. Kostenlos: Mineralwasser, Kaffee, Äpfel, und Schokoriegel ohne Ende. Fast die fehlende Dividende verfressen!

8. Unterhaltsame aber längere Wartezeiten auf den Toiletten, da viele der Rentner-Aktionäre an Prostatabeschwerden leiden.

7. Die charmante Betonarchitektur der 70er-Jahre St- Jakobshalle in Basel gibt den richtigen ästhetischen Rahmen.

6. Viele herrliche Schweizer Kraftausdrücke gelernt, mit denen die Aktionäre ihren Verwaltungsrat bedachten.

5. Marcel Ospel muss Buddhist sein, um die rund 100 – immer gleichen – Wortmeldungen mit dem von ihm gezeigten Gleichmut zu ertragen.

4. GV-Hostessen in Basel sind überdurchschnittlich häufig tätowiert – an interessanten Stellen.

3. Wunderbare Lichteffekte im Hintergrund der Videoübertragung bei den Reden. Erlaubt sanft in den Schlaf hinüberzugleiten.

2. Circa fünf Übertragungswagen des Schweizer Fernsehens vor der Halle. Warum? Für jede Landessprache einen plus Ersatz?

1. Endlich die fantastische Hornbrille von Peter Kurer (neuer VR-Präsident) in Natura gesehen. Echt retro. Vermittelt dieses urige Kantonalbankenimage gemischt mit Londoner Designerstyle. Prädikat: cool!

P.S.: Die Berichterstattung der NZZ und Co. dramatisierten den Ablauf der Versammlung. Alles in allem hat sich das Management gut gehalten und die Wende glaubwürdig vertreten.

Links für’s Wochenende

Verfasst April 18, 2008 von Steffen
Kategorien: Lesebefehl, Value Investing

Good old Peter Lynch, einstiger Star-Manager des Fidelity Magellan-Fonds, äußert sich zur Anlagestrategie in diesen turbulenten Zeiten. Er empfiehlt: Cool bleiben, alles schon mal dagewesen und außerdem ist der Bauch beim Investieren wichtiger als das Gehirn (gemeint ist damit das Englische Sprichtwort „To Stomach a Situation“ – also in einer kritischen Situation nicht die Nerven zu verlieren). Lynch bleibt wie immer knochentrocken aber Wort für Wort wahr.

Ein Vortrag von Columbia-Professor Bruce Greenwald vor indischen Investoren. Er erklärt seinen Value-Ansatz, der auf die „Earnings Power“ eines Unternehmens setzt. Vielleicht etwas akademisch, aber hilfreich zum Aufbau einer konservativen Anlagestrategie.

Und dann noch hier ein Interview mit Vitaliy Katsenelson zu seinem Lieblingsthema „Range Bound Markets“. Es geht also um die Marktsituation, die wir seit einiger Zeit erleben: Sehr volatil, am Ende aber nicht viel gewonnen. Wie man dennoch erfolgreich investieren kann, verrät Katsenelson in diesem Interview. Ob er mit seinen Marktprognosen recht behält, kann man anzweifeln. Seine praktische Methode des Investierens, die sich am KGV orientiert, ist  trotzdem hilfreich für den Valueanleger.

Wie Bear Stearns in die Knie gezwungen wurde

Verfasst März 18, 2008 von Steffen
Kategorien: Lesebefehl

Das Wall Street Journal hat heute eine fasinierende, lange Reportage über die sechs Tage, die zum Fall von Bear Stearns führten. Meines Erachtens bring das WSJ hier den Absturz von Bear Stearns auf den Punkt:

„That same day, the market began turning on Bear Stearns. Phones were ringing off the hook at rival firms such as Goldman Sachs Group Inc., Morgan Stanley and Credit Suisse Group. Clients of those firms were growing worried about trades they had entered into with Bear Stearns — about whether Bear Stearns would be able to make good on its obligations. The clients asked the other investment banks whether they would be willing to take the clients‘ places in the trades. But credit officers at Goldman, Morgan Stanley and others — worried themselves about Bear Stearns’s condition — began to say no. At Bear Stearns, Chief Financial Officer Samuel Molinaro, along with company lawyers and Treasurer Robert Upton, were trying to make sense of the situation. They felt comfortable with their capital base of roughly $17 billion and were looking forward to reporting Bear Stearns’s first-quarter earnings, which had been respectable amid the market carnage. One theory began developing internally: Hedge funds with short positions on Bear — bets that the company’s stock would fall — were trying to speed the decline by spreading negative rumors.“ (Markierung von mir, S.B.)

Inzwischen gibt es auch Berichte, wonach einzelne Bear Stearns Großinvestoren den Deal noch blockieren wollen, u.a. der Milliardär Joe Lewis (u.a. Eigentümer der Tottenham Hotspurs), der rund 1 Mrd. US$ beim Übernacht-Verkauf von Bear Stearns verlor.