Kommentierte Link-Sammlung zur Coronakrise vom 27. März 2020

The Hardest Hit Companies of the COVID-19 Downturn: The ‘BEACH’ Stocks: Sehr gute grafische Darstellung der Unternehmen, die am Markt in der Coronakrise am stärksten abgestraft wurden  (aus US-Perspektive). BEACH steht für Booking, Enterntainment, Airlines, Cruises and Casinos, Hotels and Resorts.

17 Stocks With Fortress Balance Sheets: Auch in dieser Krise  haben Unternehmen mit einer starken Bilanz klare Vorteile. Morningstar stell 17 davon vor, wie z.B. Alphabet, Coke, aber auch die Schweizer Firmen Novartis und Roche.

Three Things I Feel Strongly About – And Why I Might Be Wrong: Sehr schöne Diskussion von Lieblingsthesen der Valueanleger und warum sie doch falsch liegen könnten. Z.B. die These „This is a great buying opportunity for long-term investors – and why I might be wrong“. Es ist immer sinnvoll auch zu durchdenken, warum man falsch liegen könnte – Stichwort „Confirmation Bias“.

Der Corona-Crash : psychologische Selbstbeobachtung: Wie der Titel schon sagt, geht es um die psychologische Selbstspiegelung eines Anlegers in den verschiedenen Phasen des Crash. Das reicht von „Buy the Dip“ am Anfang bis „Das wird eine tiefe Rezession“.

Surviving The Coronavirus Crash: ‘You Make Most of Your Money in a Bear Market; You Just Don’t Realize it at the Time’: Man verdient am meisten in einem Bären-Markt, aber es fühlt sich zum Zeitpunkt des Einstieg ganz anders an. Bezieht sich auf die Regeln von good, old Benjamin Graham.

 

 

Der zeitlose Mr. Market

Aus aktuellem Anlass hier die schöne Geschichte von Mr. Market aus dem Annual Letter von Berkshire Hathaway aus dem Jahr 1987 verfasst von Warren Buffett (herausgehobene Stellen von mir). Immer wieder wichtig zu lesen:

Ben Graham, my friend and teacher, long ago described the mental attitude toward market fluctuations that I believe to be most conducive to investment success. He said that you should imagine market quotations as coming from a remarkably accommodating fellow named Mr. Market who is your partner in a private business. Without fail, Mr. Market appears daily and names a price at which he will either buy your interest or sell you his.

Even though the business that the two of you own may have economic characteristics that are stable, Mr. Market’s quotations will be anything but. For, sad to say, the poor fellow has incurable emotional problems. At times he feels euphoric and can see only the favorable factors affecting the business. When in that mood, he names a very high buy-sell price because he fears that you will snap up his interest and rob him of imminent gains. At other times he is depressed and can see nothing but trouble ahead for both the business and the world. On these occasions he will name a very low price, since he is terrified that you will unload your interest on him.

Mr. Market has another endearing characteristic: He doesn’t mind being ignored. If his quotation is uninteresting to you today, he will be back with a new one tomorrow. Transactions are strictly at your option. Under these conditions, the more manic-depressive his behavior, the better for you.

But, like Cinderella at the ball, you must heed one warning or everything will turn into pumpkins and mice: Mr. Market is there to serve you, not to guide you. It is his pocketbook, not his wisdom, that you will find useful. If he shows up some day in a particularly foolish mood, you are free to ignore him or to take advantage of him, but it will be disastrous if you fall under his influence.

…[A]n investor will succeed by coupling good business judgment with an ability to insulate his thoughts and behavior from the super-contagious emotions that swirl about the marketplace. In my own efforts to stay insulated, I have found it highly useful to keep Ben’s Mr. Market concept firmly in mind.

Noch mehr Lernpunkte aus zwei Crashs

Auf meinen Beitrag zum Thema „Zehn Lernpunkte aus zwei Crashs“ habe ich einige interessante Reaktionen erhalten. Daher gibt es heute noch ergänzende Punkte – besten Dank insbesondere an Christian N. und seine Gedanken.

  • Wenn sich die Situation wieder verbessert, reagiert die Börse als Frühindikator, lange bevor man die Verbesserung real erkennt,  z.B. am Bruttosozialprodukt gemessen. Der Markt reagiert  dann aber nicht graduell sondern sehr schnell, sehr stark.
  • Im Crash  wird getestet, ob man wirklich eine solide persönliche Strategie hat, mit der richtigen Einschätzung von eigener Risikobereitschaft und -fähigkeit und der entsprechenden Allokation und Diversifikation – und ggf. externen Management. Wenn der Spuk vorbei ist, muss man sich Gedanken machen und die eigene Strategie ggf. neu justieren. Eine Veränderung mitten in der heissen Phase funktioniert selten.
  • Man hat immer das Gefühl, dass man alles hätte besser machen können. Aber man muss lernen, mit den eigenen Entscheidungen zu leben. Timing klappt nie, echte Strategie beruhigt.
  • Be prepared. Berater sind schwer zu erreichen und gestresst, Websites (insbsondere von Banken) sind überlastet, Hotlines mit Warteschleife. Man darf sich davon nicht stressen lassen
  • Dividenden sinken viel weniger und langsamer als der Markt. Man kann sich darauf verlassen, dass Dividenden im grossen und ganzen weiter gezahlt werden, bzw. dass die Dividendenzahlungen sehr schnell zur Normalität zurückkehren. Selbst in der grossen Krise 2008/2009 sanken die Dividenden lediglich um 25% (S&P 500). In der Dot-Com-Krise noch wesentlich weniger.1537467177033-image

Kommentierte Link-Sammlung zur Corona-Krise vom 17.3.2020

China’s Coronavirus Experience: Lessons for Global Investors – Chinas Börsen erholen sich langsam, während in Europa und USA noch starke Einbrüche zu verzeichnen sind. Was kann man von der chinesischen Erfahrung lernen? Ein wesentlicher Punkt ist, dass China seine Lehren aus der SARS-Erfahrung von 2003 gezogen hat.

The Economic Impact of COVID-19 (Part I) von Cam Harvey – Die Frage ist nicht, ob eine Rezession kommt, sondern wie lange und hart sie ist. Das ist die These von Cam Harvey, Senior Advisor bei Research Affiliates. Historisch betrachtet sind Value-Aktien in der Erholung von einer solchen Krise wesentlich erfolgreicher.

Trading ETFs during Volatile Times: What You Should Know von WisdomTree – Gute Tips, wie man am besten ETFs handelt, wenn die Volatilität extreme Ausmasse erreicht, z.B. mit Limite arbeiten und Stop Loss auf jeden Fall vermeiden.

COVID19 und die Auswirkungen vom Preis und Wert Aktienblog – Wie ein Value Investor auf die Corona-Krise reagiert: Er bleibt voll investiert, korrigiert aber einige Portfoliopositionen. Geschrieben aus einer deutschen / europäischen Perspektive.

 

Zehn Lernpunkte aus zwei Crashs

Es war circa 1996, als ich mein erstes Depot bei der damaligen Direktanlagebank eröffnet habe. Ich hatte keine Ahnung von Aktien, aber dafür umso mehr Begeisterung für das damals brandneue Internet und den Neuen Markt. Über die nächsten Jahre investierte ich rund 50 Tausend Mark in verschiedene Techwerte. Bis Mitte des Jahres 2000 stieg der Portfoliowert auf 300 Tausend Mark. Im Herbst 2000 und den folgenden Monaten hatte ich beruflich sehr viel Stress, so schaute ich erst wieder irgendwann Ende des Jahres 2001 in mein Depot. Meine Aktien standen wieder bei 50 Tausend. Ich war schockiert. Es war kein wirklicher Verlust entstanden, aber ich schwor mir (einige Zeit später), mich fundierter mit dem Thema Aktien auseinanderzusetzen. Mein erstes Buch war „The Intelligent Investor“ von Ben Graham… Weiterlesen „Zehn Lernpunkte aus zwei Crashs“

Kommentierte Link-Sammlung Corona-Krise vom 14. März 2020

Ich werde versuchen alle ein bis zwei Tage – ganz subjektiv – die besten Links zu den Auswirkungen der Corona-Krise hier zu veröffentlichen. Momentan lese ich sehr viele Artikel und Blogs, die aktuell sehr gute Inhalte für investoren bieten. Persönlich finde ich, dass in einer solchen extremen Situationen gute Einschätzungen sehr hilfreich beim Investieren sein können. Schliesslich muss man in volatilen Märkten relativ schnell Entscheidungen treffen, ohne dafür wochenlang Research zu betreiben. Einige der Beiträge sind auf Englisch, aber durchaus auch lesenswert, wenn man nicht 100% sattelfest im Englischen ist.

The U.S. Economy Is Now in Uncharted Waters von  Tyler Cowen: Zwei Szenarien für die U.S. Wirtschaft sind möglich, nämlich ein scharfer aber saisonaler Einbruch oder eine lange, strukturelle Rezession, deren Ursache der Supply-Side-Schock ist. Such‘ Dir Dein Lieblingsszenario aus!

What Would Ben Graham Do in Today’s Market? von Vitaliy Katsenelson: Ben Graham hilft uns diesen Markteinbruch in die richtige Perspektive zu setzen. Die Preise, die wir heute auf dem Bildschirm sehen, reflektieren nur die Meinung des manisch-depressiven „Mr. Market“. Sie haben nichts mit dem inneren Wert eines Unternehmens zu tun.

What do companies need to disclose (if anything) if their CEOs catch coronavirus? von Stephen Bainbridge: Aus der Perspektive des US-Börsenrechts geschrieben. Es scheint keine Pflicht für eine Veröffentlichung von Gesundheitsproblemen des CEOs zu geben, auch wenn es sich hier um so genannte „material risks“ handelt.

Will the coronavirus trigger a corporate debt crisis? von FT (hinter einer Pay-Wall): Firmen haben in den letzten Jahren weltweit die extrem niedrigen Zinsen genutzt, um Schulden anzuhäufen. Insgesamt 13,5 Billionen $ stehen in den Unternehmensbilanzen. 40% der ausstehenden Schulden in den USA ist mit BB oder niedriger bewertet. Banken und Gläubiger sind alarmiert.

 

Zombie-Apokalypse im Land der negativen Zinsen

Thyssenkrupp ächzt unter seinen Schulden. Bis Ende 2019 hat der Konzern Finanzschulden von über 6,7 Mrd. Euro angehäuft. Abzüglich der Barbestände bleiben noch über 4,6 Mrd. Euro Nettoschulden. Dazu drücken Pensionsverpflichtungen von 8,6 Mrd. Euro. Das Eigenkapital liegt bei mageren 1,9 Mrd. Euro und die Eigenkapitalquote bei anämischen 5,3%. Der operative Cashflow deckt nicht einmal die Zinszahlungen. Das ganze ist schon seit Jahren ein Trauerspiel. Eigentlich müsste Thyssenkrupp schon lange in seine Einzelteile zerlegt  und an Investoren für kriselnde Assets verkauft worden sein. Weiterlesen „Zombie-Apokalypse im Land der negativen Zinsen“